Die Vereinsgeschichte nach dem Krieg

Ein Bericht von Udo Hartmann und Sebastian Zilles 

Ob zu Recht oder zu Unrecht - ein Sportverein wird im Regelfall an seinen sportlichen Erfolgen gemessen. Aber, es gibt auch eine andere Seite: Das kameradschaftliche Vereinsleben, die Persönlichkeiten, die hinter solchen Erfolgen stehen. In den Protokollen der Vereinsversammlungen haben wir zu genau diesen Punkten, interessante Geschichten gefunden:

 

Nach dem Ende des 2.Weltkrieges dauerte es nicht lange und der SuS Haarzopf lebte im Sommer 1947 unter dem Vorsitzenden Fritz van Bracht wieder auf. Austragungsort für die Heimspiele der Fußballer war der städtische Sportplatz in Essen - Bredeney.

 

Ein Vergnügungsausschuss für den SuS

 

Doch es ging nicht so schnell voran, wie es sich einige Vorstandsmitglieder erhofften. Auf einer Vereinssitzung im Jahre 1948 ist von einer gewissen "Trägheit" die Rede. Die Vorstandsarbeit war nicht leicht, geprägt von vielen Rücktritten, aber auch gleichzeitigen Wiederwahlen. Hauptthemen, um die es sich zu kümmern galt, waren die "verwahrlosten, unteren Mannschaften". Es mangelte vor allem an einer angemessenen Ausstattung. Viele Fußballschuhe waren zum Beispiel nicht mehr als solche zu erkennen. Die Mitglieder wurden zu mehr Engagement aufgefordert. Es kam zur Gründung eines Vergnügungsausschusses. Das Jahr 1948 war zugleich das Geburtsjahr unserer Handballabteilung.

 

Drei Jahre später - 1951 also - konnte der SuS schon über 200 Mitglieder verzeichnen. Robert Knippenberg wurde zum Ehrenvorsitzenden gewählt und die Handball Abteilung startete mit 6 Jugendmannschaften. Das wichtigste Ereignis in diesem Jahr war jedoch zweifelsohne ein anderes: "Am 19.Juni 1951 nahm ein kleiner Kreis des Vorstandes ein sehr heißes Eisen in seine Hände, den schon so lange versprochenen Sportplatz. Es musste unbedingt etwas geschehen, um den Verein vor dem Ruin zu retten. 700,- Mark Schulden und eine Menge unzufriedener Mitglieder - und das mit Recht - ließen keine andere Wahl, als sofort mit den Arbeiten anzufangen und den Acker in einen einigermaßen brauchbaren Sportplatz zu verwandeln. Im ganzen wurden etwa drei Monate gebraucht. .... Es soll heute noch unser Stolz sein, dass wir den Platz ohne fremde Hilfe hergerichtet haben, denn der finanzielle Zuschuss der Stadt traf erst später ein.

 

Finanziell angespannte Lage

 

Es geschah Historisches, doch gleichzeitig wurde auch klar, dass nicht alles nur positiv war. So musste die Tischtennisabteilung aufgelöst werden. Dies hatte vor allem zwei Gründe. Zum einen waren die finanziellen Opfer für den Verein zu hoch und zum anderen gab es eine Abwanderung der "besten Kräfte". Beides zusammen war nicht zu verkraften. Die finanziell angespannte Situation hatte weitreichende Folgen. Weihnachtsfeiern und Präsente zum Fest konnten den Jugendlichen nicht mehr zuteil werden. Mit dem Bau des Sportplatzes kehrte die Wende ein. Durch den kürzeren Anmarschweg - man musste nicht mehr bis nach Bredeney laufen - nahmen die Zuschauerzahlen zu. Doch nicht nur das: "Die holde Weiblichkeit, übrigens ein nicht zu verkennender Faktor, atmete auf, denn sie hatte Aussicht, ihr Mittagessen in genießbarem Zustand loszuwerden und schonte somit ihre Nerven um ein beträchtliches ... ."

 

Der SuS bekam aber nicht nur einen Sportplatz, sondern auch eine eigne Halle. 1952 wurde am Föhrenweg die modernste Sporthalle Essens gebaut. Beide Bauereignisse setzten wohl neue Energien frei. Rein sportlich wurde beim SuS um jeden Meter gekämpft. Einsatz, Kampfbereitschaft und fußballerische Finessen wurden auf dem neuen Untergrund geboten. Dies musste der SuS jedoch teuer bezahlen. Das bittere Resümee des Vereins aus der Spielzeit 1953 : "Drei Knochenbrüche hatten wir im verflossenen Jahr zu verzeichnen".
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Eintrittspreise wurden erhöht

 

Ob es an den hohen Kosten für die Regeneration der verletzten Spieler lag, bleibt dahingestellt. Doch auch für die Zuschauer hatte dies Konsequenzen. Die "günstigen Zeiten am Spielfeldrand" waren schlagartig vorbei, denn "die Versammlung beschloss, dass das Eintrittsgeld für Mitglieder auf dem Sportplatz auf 0,20 DM heraufgesetzt wird".

 

Im Jahr 1955 wehte dann ein anderer Wind am Föhrenweg. "Fair Play" wurde groß geschrieben. "Die erste Fußballmannschaft übersteht die Saison ohne eine einzige Verwarnung und ohne Platzverweis". Im gleichen Jahr engagierte der Verein für beide Abteilungen einen Trainer.

 

Drei Jahre später konnte der SuS erste sportliche Erfolge vorweisen. 1958 wurden von der Fußballjugend einige Spieler zu Lehrgängen des Westdeutschen Fußballverbandes in Duisburg abgestellt. Die Handballer konnten bei einem Jugendturnier in Köln " .... von 8 Mannschaften den zweiten Platz erringen und erhielten für diese gute Leistung einen Handball und ein Diplom. " Kein Diplom, sondern eine Fahrkarte erhielten einige Mitglieder. Der "SuS Gnadenlos" war zum Handeln gezwungen. "63 Mitglieder mussten gemäß § 4 der Satzung gestrichen werden, da sie mit mehr als drei Monatsbeiträgen im Rückstand waren".

 

Filmabende und Jugendfeiern

 

Dennoch hatte sich die finanzielle Lage konsolidiert. Im Jahr 1960 ging es dem SuS so gut, dass wieder Weihnachtsfeiern für die Jugend stattfinden konnten. "... für die Jugendlichen bis zu 16 Jahren wurde ein Filmabend aufgezogen, der einen guten Besuch zu verzeichnen hatte. Es wurden der Film "Der Berg ruft" und ein Lustfilm gezeigt. Als kleine Anerkennung seitens des Vereins wurde anschließend den Schülern eine Tafel Schokolade und den B-Jugendlichen ein Buch überreicht".

 

Überhaupt scheinen die 60er Jahre für den Verein sehr angenehm verlaufen zu sein. 1965 nämlich gelang den Handballern der erstmalige Aufstieg in die Landesliga. Die Mitgliederzahl stieg auf 300. Der SUS war alles andere als krank. Dennoch packte den Verein 1967 das Expansionsfieber: Der Vorstand regte an, eine neue Abteilung zu gründen. Hinter dem Sportplatz sollte eine Tennisanlage entstehen. Weitere zwei Jahre später sorgte der SuS für neue Schlagzeilen.

 

1969 tauchte unser Verein auf dem Transfermarkt der Profis auf: "Erstmals gelang es einem ehemaligen Spieler des SUS Haarzopf in das Lager der Vertragsspieler überzuwechseln. Es handelte sich hierbei um den Spieler Karl-Heinz Mertes, der vom ETB Schwarz Weiß einen Vertrag erhielt". Dieses an sich positive Ereignis sorgte jedoch für reichlich Wirbel, da - wie auch heutzutage - die Höhe der Ablösesumme im Mittelpunkt stand. Auch solche Probleme wurden am einfachsten bei einem Glas Bier beseitigt. So beteiligte sich der SuS im Frühjahr gleichen Jahres an einem Fest, das von allen Haarzopfer Vereinen veranstalteten wurde. Dieses war sowohl in gesellschaftlicher, als auch in wirtschaftlicher Hinsicht ein großer Erfolg. Über Geld sprach nun keiner mehr.

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Der SuS und die Frauen

 

Die 70er Jahre begannen mit der Ernennung des langjährigen 1.Vorsitzenden Fritz van Bracht zum Ehrenmitglied. In diesem Jahr 1971 wurde auch die Mitgliederkartei von den sogenannten "Karteileichen" bereinigt. Die Mitgliederzahl sank von 311 auf 247. Ansonsten war es ruhig im Verein. Was sich erst 1977 ändern sollte. Das erste weibliche Mitglied (Andrea Auth) wurde zum 1. Februar offiziell im Verein aufgenommen. Und sie sollte - zum Glück - nicht die einzige bleiben, wodurch die Mitgliederzahl bis zum Jahr 1979 wieder auf 344 anstieg.

 

Im Jahr 1980 fand dann die Handballabteilung eine neue Heimat in der neu erbauten Sporthalle der Goetheschule in Bredeney. Das Interesse aller Mitglieder am Gesamtverein aber schien auf einem Tiefpunkt zu sein. Aus welchen Gründen auch immer rafften sich 1981 gerade noch 8 Mitglieder zur Hauptversammlung auf. So kam auch eine rege Diskussion darüber auf, wie man die JHV interessanter gestalten könnte. Ein Vorschlag war u.a. die Einladung von Gastrednern zu sportspezifischen Themen.

 

Die geringe Beteiligung an der JHV stellte sich glücklicherweise als Eintagsfliege heraus und im Jahr 1983 überschritt die Mitgliederzahl erstmals die 400er grenze

 

Ein Jahr später bekam der SuS dann eine Schenkung der ev. Kirchengemeinde Essen-Fulerum. Es handelte sich dabei um nichts geringeres als das Kirchengebäude. Ebenfalls im Jahr 1984 erreichte die 1. Herrenmannschaft der Handballer das Finale im Stadtpokal gegen TUSEM (2).

 

Auch die Fußballer konnten endlich feiern. Nach vielen vergeblichen Anläufen wurden sie im Jahr 1987 Meister der Kreisliga A und stiegen in die Bezirksliga auf. Im gleichen Jahr trauerte der SuS um einen guten Freund, der sich über Jahrzehnte für unseren Verein eingesetzt hatte. Am 8. November verstarb der Ehrenvorsitzende Fritz van Bracht als Zuschauer bei einem Spiel unserer Fußballer auf dem Sportplatz am Föhrenweg.

  

Im Jahr 1990 wurden wir dann einer schönen Illusion beraubt:

Wir mussten feststellen, dass nicht nur der Tod, sondern auch die Anschaffung eines PC´s - ein Jahr zuvor - die Mitgliederzahl beeinflussen kann. Nach Eingabe der aktuellen Daten lag die Mitgliederzahl doch nur bei 378.

 

Nach über 22 Jahren nachhaltiger Führung des Vereins trat Ewald Kleining 1993 von seinem Posten als 1.Vorsitzender zurück und präsentiert mit Hans-Günter Bruckmann einen Nachfolger. Dieser wurde einstimmig gewählt und bat die Versammlung, Ewald Kleining zum Ehrenvorsitzenden zu ernennen. "Gerührt nimmt Ewald die Wahl an!"

 

Ein Jahr später feierte der SuS seinen 70jährigen Geburtstag. In der kleinen Halle am Föhrenweg konnte Großes geboten werden. Immer noch in Erinnerung die klasse Show der Travestie Gruppe "Femme Fatale". Bis in den frühen Morgen wurde in feucht fröhlicher Runde das Tanzbein geschwungen. "Noch Wochen später wurde in unserem Haarzopf über dieses Fest positiv geredet. Alle die nicht dabei waren - warum auch immer - haben etwas verpasst. Sogar die Nachwuchsplanung unseres Vorsitzenden Hans-Günter Bruckmann war ganz auf das Jubiläum abgestimmt. Als die Feiern vorbei waren, schenkte Frau Anke in der Nacht zum Montag einem gesunden Jungen das Leben. Es war für alle Beteiligten eine Woche harter Arbeit, aber dieses Fest hat uns alle wieder ein kleines Stückchen mehr zusammengeschweißt".

 

Handballer steigen in die Landesliga auf

 

Sportlich aber ging es so weit abwärts, dass sich die Handballabteilung 1995 zu einem Umbruch gezwungen sah. Durch die Verpflichtung des Haarzopfer Eigengewächses Kalli Weske als Trainer und dem Aufstieg der A-Jugend in die höchste deutsche Spielklasse (Oberliga) wurden wieder höhere Ziele angepeilt. Zwei Jahre später spielte die 1.Herren schon wieder in der Bezirksliga und konnte 2000 auch den Aufstieg in die Landesliga feiern.

 

Am 1. Januar 1996 durchbrach der SuS die Schallmauer und erreichte eine Mitgliederzahl von 501. Allein die Jugendabteilung der Fußballer ging in diesem Jahr mit neun Mannschaften an den Start, "aber gleichzeitig haben uns auch die Trainingszeiten gezeigt, dass wir am Ende unserer Kapazitätsgrenze angekommen sind. In beiden Abteilungen ist die Anzahl der Trainingsstunden nicht mehr ausbaufähig. Wir sollten in Zukunft froh sein, wenn wir in der Lage sind, diesen Mitgliederstand zu halten und entsprechend ordentlich zu verwalten".

Die Fußballer versuchten es erneut auf einem neuen Grund. Zum 75-jährigen Jubiläum im Jahr 1999 beschenkte uns nun die Stadt mit der notwendigen und lange geplanten Generalüberholung des Sportplatzes.

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